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Angst und Angstmache in der Hufbearbeitung oder lieber Bearbeitung auf Augenhöhe?

Häufig erreichen uns Geschichten von Pferdemenschen, dass sie selbst und auch ihre Pferde Sorge und Stress mit der Hufbearbeitung haben. Diese beziehen sich häufig auf den Umgang des Bearbeitenden mit dem Pferd. Besitzer erzählen uns, dass ihre Pferde Angst vor dem Menschen haben, der die Hufe bearbeitet und dass sie selbst Sorge vor der Eskalation in dem Termin haben. Sie erzählen von schreienden Bearbeitern, der Tatsache, dass Pferde mit Werkzeug in den Bauch geboxt werden oder dass sie den Eindruck haben, dass ihr Pferd schlicht versteinert und die Luft anhält.


Die zweite Kategorie betrifft das Thema „Fühligkeit/Lahmheit“ nach dem Termin. Wir hören Geschichten, dass es Bearbeiter und Bearbeiterinnen gibt, die es als völlig normal erachten, dass die Pferde sich nach der Bearbeitung nicht bewegen möchten. Dass sie einige Tage lang Schmerzmittel gefüttert bekommen sollen. Dass sie tagelang aufgrund einer Lahmheit nicht bewegt werden können oder sogar trotz der Lahmheit zwangsbewegt werden sollen.


Schwer vorstellbar für uns…aber leider an der Tagesordnung vieler Pferde. Auf Nachfragen, ob eine alternative Meinung eingeholt werden könnte oder die Bearbeitung „irgendwie verändert“ werden könnte, wird dann von den „Experten“ behauptet, dass es eine solche Alternative nicht gäbe oder sogar alles noch schlimmer machen würde!

Grundsätzlich fällt hier eine Sache auf. In all diesen Geschichten kommt unglaublich viel „Angst“ vor. Angst vor der Situation und vor den Emotionen des Bearbeitenden. Angst vor der Eskalation der Situation, Angst seinem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen, dass hier etwas schief läuft. Sowie auch Angst davor die Verantwortung für eine Veränderung zu übernehmen.


Auch werden uns Horror-Geschichten erzählt, was passiert wenn man die Eisen abnimmt. Arthrose, Hufrehe, Tod… alles kann angeblich die Folge der Umstellung auf Barhuf sein! Das ist Wahnsinn und auch hier wird über Angst gearbeitet. Angst ist kein guter Berater!


Nachdem wir in der letzten Zeit so viele dieser Geschichten hörten, möchten wir hierzu gern einige Gedanken mit euch teilen.


Pferde sind faszinierend. Wir haben Achtung vor ihnen, vor ihrer Persönlichkeit genauso wie vor ihrer Anatomie. Der Huf im Speziellen ist ein komplexes, hoch spannendes und perfektes „Wunder“ der Natur. Er ermöglicht diesen großen (und auch kleinen:-)), schweren und unfassbar schnellen Tieren die Fortbewegung über alle möglichen Bodenuntergründe. Wir alle wissen wie unglaublich wichtig gesunde Hufe für unsere Pferde sind.

So banal dies klingt, so selten treffen wir die Umsetzung dieser Einstellung im Alltag als Hufbearbeiterin an.

Wir möchten euch an dieser Stelle einige wesentliche Ideen mitgeben, die uns sehr, sehr wichtig sind:

Jeder Huf adaptiert sich an die Beschaffenheit der Bodenuntergründe auf dem er sich hauptsächlich bewegt. Das müssen wir verstehen und akzeptieren und dies ist ein gesunder, sowie natürlicher Prozess, dem es Achtung gegenüber zu erbringen gilt.

Deshalb wird es logisch, dass sich auch die Bearbeitung flexibel zeigt, eben (unter anderem) je nachdem auf welchen Böden sich das Pferd hauptsächlich bewegt.

Allein diese Tatsache schliesst maximal aus, dass alle Hufe nach starren Vorgaben, Winkeln und Längen bearbeitet werden!

Wir bearbeiten „so wenig wie möglich“. Es werden keine Teile des Hufes per se gekürzt, ausgedünnt oder geschnitten und für uns ist es selbsterklärend, dass jede Struktur des Hufes eine Funktion hat.


Ein Pferd, welches wir bearbeitet haben, läuft nach unserem Termin sofort genauso gut oder besser als vor der Bearbeitung! Wenn dies nicht der Fall ist (und natürlich machen auch wir Fehler), bedarf es einer Entschuldigung an das Pferd und wir wissen, dass eine Komponente der Bearbeitung „zu viel“ war.


Wir maßen uns nicht an, dass unser Wissen oder unsere Meinung über den „perfekten Huf“ wichtiger ist, als das was das Pferd uns zeigt, wie es ihm damit geht. Hufbearbeitung ist also auch ein ständiger Dialog zwischen dem Pferd und dem Bearbeitenden, dem Pferd und seinem Menschen und natürlich zwischen uns Menschen auch! Das Ziel ist immer, den maximalen Komfort für das Tier zu finden und dies ist immer ein wirklich spannender Weg. Der Huf und seine Benutzung hängt von so vielen Variablen ab, und wird von komplexen Faktoren beeinflusst, so dass es einer Art Puzzle gleicht, alle Komponenten nach und nach zu verbessern und zu einem besseren, weil komfortableren Ganzen zu formen.


Ein sehr einfacher und wichtiger Satz: "Die Hufbearbeitung ist für das Pferd, nicht für mich!"




Bezüglich des „Wesens Pferd“ ist nur zu sagen, dass sie in unseren Augen „vollkommen“ sind. Sie haben eine Würde, sie fühlen, sie sind lebendige Wesen, wie du und ich. Im Thema „Hufbearbeitung“ ist es uns wichtig zu betonen, dass es doch darum geht, das Pferd im Ganzen zu begreifen und anzunehmen. So nehmen wir das Bein nicht einfach, als gehöre der Huf uns. Das ist schlicht übergriffig!

Wir versuchen immer eine Position des Beins gemeinsam mit dem Pferd zu finden, sodass wir uns beide - Mensch und Pferd - wohl in der Situation fühlen. Auch das ist ein Dialog! Und es bedeutet natürlich für den Menschen, dass er sich auch mal in eine körperlich etwas anstrengende Position bringen muss. Z.B. wenn das Beugen der Sprunggelenke für das Tier schmerzhaft ist. Aber was würde es über den bearbeitenden Menschen aussagen, wenn dieser den Schmerz des Pferdes nicht wahrnehmen würde bzw. bewusst übergehen würde, nur um selbst bequem und mit „geradem“ Rücken stehen zu können?!


Ja, es gibt Pferde, die sich nicht konzentrieren, die kurz mal denken, dass wir ihre Stütze sind oder uns Menschen gelernt haben zu ignorieren. In diesen Fällen ist es für uns selbstverständlich, und natürlich auch aufgrund des eigenen Schutzes, notwendig dem Pferd eine Grenze aufzuzeigen.

Deutlich häufiger erleben wir jedoch Pferde, die aus Unsicherheit, Sorge oder Unwohlsein/Schmerz bei anderen Bearbeitenden nicht „mitmachen“. Und diesen brauchen wir keine Grenze zu zeigen. Sondern hier gehen wir den Weg, dass wir ihnen ihre Sorge nehmen. Den Huf einmal mehr abzustellen, das Bein ohne jegliche Spannung zu halten, bewusstes Atmen und innere Ruhe sowie Selbstsicherheit in sich zu tragen, führen schlussendlich immer dazu, dass die Pferde Vertrauen entwickeln. In diesem Vertrauen und Dialog gibt es schlicht keinen Grund gegen uns Bearbeiter zu arbeiten.


Auch bearbeiten wir nicht an Orten, an denen sich das Pferd offensichtlich unwohl fühlt, wenn es doch (fast) immer Alternativen gibt! Dafür nehmen wir auch in Kauf, dass wir mal ein paar Schritte weiter gehen müssen oder wir vielleicht im windigen Freien stehen, obwohl es einen Schmiederaum gibt.


Psychischer und physischer Stress ist für unsere Pferde genauso schädlich, wie für uns! Deshalb ist es uns wichtig so zu arbeiten, dass der Hufbearbeitungstermin mit uns ein positives Gefühl bei den Menschen, den Tieren und auch bei uns hinterlässt.


Eine Sache wünsche wir uns bei GoBarhuf: fühlt in eure Pferde rein, nehmt ihre Augen, ihre Körperspannung, ihre Atmung wahr. Und geht dann so sensibel mit ihnen um, wie ihr euch auch den Umgang mit euch selbst wünscht! Sie haben das gleiche Recht gesehen und respektiert zu werden, wie wir!


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